Spannende Reden und Analysen beim Gipfeltreffen des Senat der Wirtschaft

Keine Schockstarre, Motivation zu Reformen und Wachstum: Beim Gipfeltreffen 2026 reichte der Blick von den politischen Verschiebungen über Europas wirtschaftliche Zukunft bis zu den Chancen der Künstlichen Intelligenz.
Politische Entwicklungen, die viele beunruhigen und eine Demokratie, die mehr aushält, als manche ihr zutrauen. Der renommierte Politikwissenschaftler Prof. Dr. Volker Kronenberg, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Senat der Wirtschaft und Professor an der Universität Bonn, rückte beim Gipfeltreffen des Senat der Wirtschaft die Wahlergebnisse aus Sachsen Anhalt in den Mittelpunkt. Eine Beobachtung: Die AfD schließt eine Repräsentationslücke im politischen System. Hohe Wahlbeteiligung von 78,5 % und die signifikante Mobilisierung früherer Nichtwähler seien dafür wichtige Hinweise.
Beachtliche 80 Minuten folgten die Senatorinnen und Senatoren sehr aufmerksam seinen Analysen. Kronenbergs zentrale Botschaft: Die Stabilität der Demokratie hängt nicht von einer einzelnen Partei ab. Entscheidend sind Gewaltenteilung, das Parteiensystem insgesamt, eine starke Zivilgesellschaft und die politische Kultur. Zugleich müsse sich auch die AfD daran messen lassen, ob ihre Forderungen und Ziele in politischer Verantwortung tatsächlich umsetzbar sind.
Dabei auch spannend die Betrachtung: kein anderer Staat, keine andere Staatsform als die liberale Demokratie ermögliche es den Menschen Anerkennung und Respekt zur Grundlage der politischen Ordnung zu machen. Der Siegeszug der liberalen Demokratien ist ein Pyrrhussieg: Sie selbst sorgen, wie schon Francis Fukuyama vor vielen Jahren hellsichtig erkannte, für den Erfolg der Populisten
Norbert Streveld, Vorstandsvorsitzender des Senat der Wirtschaft, warnte davor, die notwendigen Aufgaben des Landes allein durch die Brille eines Wahlergebnisses zu betrachten. „Es braucht jetzt keine Schockstarre“, so Streveld. Deutschland brauche Reformen, die Wachstum ermöglichen und vor allem beim Mittelstand wirken. Denn ein wirtschaftlich starkes, verlässliches und handlungsfähiges Deutschland sei auch für Europa von zentraler Bedeutung.
Das bisherige Reformpaket sei ein Anfang bemerkte Streveld, im parlamentarischen Prozess werden sich Details noch verändern, die Richtung stimmt.
Die Ehrlichkeit ist erforderlich, dass unser Wohlstand auf dem Prüfstand steht, das sei in der Lebenswirklichkeit der Gesellschaft auch bereits angekommen. Politik, Wirtschaft und Gesellschaft müssten alle einen Beitrag leisten, um das Wohlstandsversprechen weiter zu erfüllen.
Diesen europäischen Blick führte Dr. Christoph Brüssel, Vorstand des Senat der Wirtschaft, beim Thema Künstliche Intelligenz weiter. Europas Chance sieht er weniger im Wettlauf mit den amerikanischen Tech-Giganten um die Technologie selbst, die Anwendung der digitalen Alen Möglichkeiten ist entscheidend. Eben hier könnte Deutschland, im Zusammenwirken von Europa, durch Einbringen von Werten, Grundfesten und dadurch Vertrauen bei den Nutzern Marktvorteile gewinnen.
Dabei schlug er einen bemerkenswerten Bogen zu Papst Leo XIV. und dessen Enzyklika „Magnifica Humanitas“, die sich mit der KI befasst: Technologischer Fortschritt und menschliche Werte sind kein Widerspruch.
Der bildliche Vergleich der biblischen Geschichten zum Turmbau zu Babel, der ein Monopol der Macht war und scheiterte und dem Wiederaufbau Jerusalems, eine pluralistische Kooperation auf Verantwortung vieler basierend, das Erfolgsmodell. So sagt Papst Leo, Machtkonzentration ist nicht immer erfolgreich. Er sieht die Entwicklung der US Tech-Giganten als gefährlich. Auch Brüssel folgert, Europas Werte, Ethik und Vertrauen könnten bei der KI zu einem Wettbewerbsvorteil werden.
Genau solche unterschiedlichen Perspektiven zusammenzubringen, macht das Gipfeltreffen des Senat der Wirtschaft aus. Die intensive Resonanz zeigte, wie wichtig der persönliche Austausch der Senatorinnen und Senatoren über die großen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fragen ist.